home > über uns > Presse > Artikel > Portal, mortal 8. April 2001

Portal, mortal
Von Felix Wiedler

Seit dem Platzen der Dotcom-Blase an den Börsen herrscht in der Onlinebranche der Blues. Nicht wenige Startups hören gar die Totenglocke läuten; einige prominente sind - der Spielzeughändler eToys.com etwa - in jungen Jahren bereits verschieden oder haben - wie das You-Portal der Bank Vontobel - gar nicht erst das Licht der Welt erblickt. Zahlreiche Medienkonzerne revidieren ihre Portalprojekte oder legen sie - wie eben der Spiegel-Verlag - ad acta. Es sei zunehmend schwierig, Geschäftsideen im Internet zu etablieren, sagte kürzlich Bernd Skiera, als Professor für E-Commerce an der Universität Frankfurt einer, der es wissen muss.

Da ist es tröstlich, dass es dennoch Unternehmen gibt, die sich von der morbiden Stimmung nicht anstecken lassen. So ist ein Schweizer Online-Newcomer letzte Woche mit einem Projekt gestartet, das dem allgemeinen Portal-Sterben mit einer innovativen Geschäftsidee entgegentritt - sinnigerweise einem Sterbe-Portal! Schon dessen Name lässt darauf schliessen, dass die Initianten offenbar die Szene kennen; er scheint nach dem Motto kreiert: Für Börseninfos gibts schon Borsalino.ch - für Todesfälle neu jetzt Mortalino.ch.

Über die Ziele von Mortalino.ch orientiert die Pressemitteilung: "Das erste Schweizer Internetportal dieser Art bietet kostenlos direkte Hilfe und Ratschläge für Direktbetroffene, Hinterbliebene, Trauergäste und für Personen, die ihre persönliche Vorsorge planen wollen." Das ist schön von Mortalino - von einem Todesfall Betroffene können Hilfe und Beistand brauchen. Wer seinen Browser auf www.mortalino.ch steuert, stellt fest: Da fehlt nichts, was das trauernde Herz begehrt. "Im Online-Shop lassen sich Kondolenzkarten, Geld- und Blumenspenden sowie Bücher bestellen. Darüber hinaus besteht die Gelegenheit zur Interaktion in Foren, E-Mail-Beratung und Online-Chats mit der Community und Seelsorgern", heisst es dazu in der Pressemitteilung.

Die Geschäftsidee vollends auf den Punkt bringt jedoch folgende Passage im Pressetext: "Mortalino AG will seinen Kunden den Zugang zu benötigten Informationen zentralisieren (Informationskonzentration), beschleunigen (24/7-Zugang) und vereinfachen (Online-Tools). Zudem soll die Interaktion mit fragmentierten Dienstleistungsanbietern ermöglicht werden (Dienstleistungskonzentration)." Ob so viel konzentriertem Knowhow droht es Normalsterblichen wie mir glatt den Atem zu verschlagen. Also wenn das kein todsicheres Geschäft, pardon, E-Business wird!

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