Trendspäher - Tod im Web
Was nach dem Tod kommt? Fragen, nichts als Fragen. Passende Antworten dagegen?
Der moderne Mensch suche sie immer häufiger im World Wide Web, so geht
in den USA die Rede. Weit gefehlt, zumindest in unseren Breitengraden. Ein klassischer
Fall für einen New-Economy-Unternehmer also, zum Beispiel für Michael
Federspiel. Da der Zürcher im Web kaum Brauchbares fand, beschloss er,
das Informationsvakuum selbst zu schliessen, gründete Anfang Jahr zunächst
die Unternehmung mit passendem Namen (Mortalino) und nun auch das gleichnamige
Portal.
Beratung, das hat Jungunternehmer Federspiel erkannt, hat auch in finalen Momenten vor allem eines zu sein: umfassend. Also finden sich auf der Web-Site Checklisten für das formale Vorgehen im und nach dem Todesfall, Informationen zur eigenen Trauerbewältigung und zur finanziellen Vorsorge. Selbst auf die Frage, wie mit Kindern zu trauern ist, findet sich eine Antwort. Foren, E-Mail-Beratung und Online-Chats mit Seelsorgern sorgen für die Community-fördernde Interaktion. Und wer dann immer noch zu wenig im Bilde ist, dem helfen vielleicht Buchtipps bzw. der Online-Shop weiter. Hier lassen sich nicht etwa nur Bücher, sondern auch Kondolenzkarten oder Blumensträusse bestellen - schliesslich muss ja auch Mortalino von etwas leben.
Die Zielgruppe sieht Federspiel in der ersten Phase in der deutschsprachigen Schweiz. Danach allerdings will er richtig wachsen - national und international. Die Rubrik Investoren hat er vorsichtshalber schon eingerichtet, falls es dann wirklich so weit kommen sollte und sich nicht schon früher ein weitsichtiger Erblasser findet.
Rüdi Steiner
Publikations-Datum: 20010411
Zeitungs-Nummer: 15
Seite: 45
New economy Quelldatei