| Der Engel des
Todes
Es war einmal ein altes Ehepaar, das hatte einen
Sohn. Der Vater war Schreiner, der Sohn war Schneider. Eines Tages
bat der Sohn seinen Vater um die Erlaubnis, eine Reise nach einem
weit entfernten Heiligtum zu unternehmen. Als er nun unterwegs war,
traf er einen Derwisch, und die beiden wurden Reisegefährten. Eines
Tages ließen sie sich zum Mittagessen nieder, und der Jüngling lud
den Derwisch ein, sein Essen mit ihm zu teilen. Der Jüngling setzte seine Reise fort. Als er wieder
nach Hause kam, wollten seine Eltern ihn verheiraten. Er aber wehrte
ab mit den Worten: "Ich will keine Frau." So ging es eine
Weile, bis der Sohn dreißig Jahre alt wurde. Da sprach sein Vater
zu ihm: "Mein Söhnchen! Mittlerweile ist mein Bart weiß geworden.
ich würde dich gerne als Bräutigam sehen!" Auf jeden Fall wurde die Hochzeit vorbereitet und
die Hochzeitsnacht fand statt. Aber gerade, als Braut und Bräutigam
die Hände ineinanderlegten, öffnete sich die Tür, der Derwisch trat
ein und sprach: "Habe ich dir nicht gesagt, Jüngling, du sollest
nicht heiraten, denn deine Hochzeitsnacht werde die letzte Nacht deines
Lebens sein?" - "Gewähre mir eine kurze Frist", erwiderte
der Jüngling, "damit ich meine Eltern rufen kann." Er rief
sie beide, und als sie gekommen waren, erinnerte er sie an ihr Versprechen:
"Ihr habt doch versprochen, daß ihr zu dem Zeitpunkt, wenn Azra'il
komme, bereit seid, eure Seele anstelle meiner zu geben. Hier nun
ist Azra'il gekommen. Gebt ihm eure Seele!" Da bot der Vater
sich an: "Komm, Azra'il, und nimm meine Seele!" Sogleich
machte Azra'il sich daran, die Seele des Vaters aus seinem Körper
zu ziehen. Er hatte sie schon bis zur Brust herausgezogen, da rief
der Vater: "Azra'il! Es ist doch zu schwer, die Seele herzugeben.
Nimm lieber seine eigene Seele!" Gerade als Azra'il den Sohn
zum Schlafen legte, rief nun die Mutter: Persisches Märchen |
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