| Kallondji erweckt
Tote
Kallondji (=Ndji der Lügner) und Tonjandji (=Ndji der Wahrhaftige, der immer die Wahrheit sagt) gingen zusammen auf Reisen. Tonjandji sagte: "Wer von uns beiden ist Silatigi?" (=Reiseleiter). Kallondji sagte: "Ich will Silatigi sein!" Tonjandji sagte: "Nein, ich will Silatigi sein." Kallondji sagte: "Nein, ich will Silatigi sein!" Tonjandji sagte: "Du kannst drei Tage vor mir abmarschieren, und ich werde dich in einer Stunde einholen. Deshalb ist es besser, wenn ich Silatigi bin." Da sagte Kallondji: "So sei du Silatigi; wir wollen es versuchen." Die beiden wanderten ab. Sie kamen am Abend des
ersten Tages an ein Dorf, dessen Häuptling begrüßte sie und fragte:
"Wo kommt ihr her?" Tonjandji sagte: "Wir kommen aus
Tonjadugu" (aus dem Lande der Wahrhaftigen). Darauf sagte der
Dorfchef nichts, aber die zwei Wanderer erhielten nichts zu essen.
Sie kamen am anderen Tag in ein Dorf. Es war die gleiche Sache. Sie
bekamen wieder nichts zu essen. So ging es während drei Tagen, und
als sie dann gar zu großen Hunger hatten, sagte Kallondji: "So
geht es nicht weiter." Sie kamen wieder in ein Dorf. In diesem Dorf war
gerade der Sohn des Häuptlings gestorben. Es war ein wunderschöner
Bursche, und keiner kam ihm im ganzen Lande gleich. Als die beiden
in das Dorf kamen, klagten alle Weiber, heulten alle Alten. Kallondji
kümmerte sich nicht darum, sondern sagte (brüsk): "Guten Tag,
ich will trinken, gebt mir Wasser!" Darauf kam nun jeder, der einen teuren Verstorbenen
hatte, und setzte sich zu Kallondji. Der eine sagte: "Wenn du
mir meinen im vorigen Jahre verstorbenen Vater erwecken willst, werde
ich dir eine Kuh schenken." Ein zweiter sagte: "Wenn du
mir meine vor zwei Jahren verstorbene Frau erwecken willst, sollst
du von mir einen Sklaven erhalten." Kallondji sagte: "Gut,
ich werde euch alle eure Toten morgen früh erwecken und ihr bezahlt
mir das dann." Die Leute brachten Kallondji und Tonjandji sehr
viel gute Speise. Abends sagte Tonjandji: "Wollen wir nun nachts
fliehen?" Kallondji sagte: "Warum denn? Morgen werde ich
gut verdienen und wir werden ausgezeichnet essen." Er ging selbst hin, stieg in die Grube und höhlte
mit den Händen noch sorgfältig den Seitengraben aus. Dann sagte er:
"Legt den Toten hinein und deckt ihn mit einem Tuch zu."
Die Leute taten es. Kallondji kroch unter das Loch. Kallondji wandte
nun erst den Kopf nach oben und rief laut durch das Tuch in der Richtung
auf das versammelte Volk: "Nakunu" Afrikanischen Märchen |
Eine Ansicht zurück Zurück zur Inhaltsübersicht Eine Ansicht weiter