Urs Richle: «Fado Fantastico»: Ein trauriger Gesang
Die Wahrheit gibt es, doch sie ändert beständig ihre Gestalt. Unter
diesem Motto könnte Urs Richles jüngster Roman, «Fado Fantastico»,
stehen. Wer eine Geschichte erzählt, erzählt sie so, wie er sie selbst
gehört, verstanden, ausgeschmückt hat. Mit dem tatsächlichen
Geschehen mag diese Erzählung oft nicht viel zu tun haben. Doch ist das
wichtig? «Es gibt Geschichten, sagt man, die auf der Strasse liegen. Andere
müssen mühsam aus der eigenen Erfahrung zusammengeklaubt werden. Wieder
andere fliegen einem zu wie Träume.» [mehr...]
Nadia Tuéni «Jenseits des Blickes»: Verlust und Wiedergeburt
Über die Gedichte von Nadia Tuéni (1935-1982)
Sinnliche Poesie aus der Tiefe der Seele - Sehnsucht nach dem Leben in einer
Zeit des Untergangs, Symbolik und Wirklichkeit miteinander verwoben, Kontinuum
und Traumprojektion, nach Leben und Hoffnung sich sehnend und doch dem Untergang
geweiht. Die Poesie von Nadia Tuéni als lebendige Bezeugung von Epitaphen,
ähnlich jener Galerie entlang dem Hundefluss, die ihre schöne Heimat
in Libanon zieren. Diese künden nicht von Siegern, Feldherren und Kriegszügen,
sondern von der Tragik und Absurdität, von der Bitterkeit des für
immer verlorenen Paradieses. [mehr...]
Philippe Jaccottet «Antworten am Wegrand»: Die Sprache der Blumen
Neue Prosagedichte von Philippe Jaccottet
«Tod ist ausgelöscht, für die Zeit einiger Schritte am Wiesenrand»
- diese Zeile gegen Ende einer poetischen Spurensuche in der Umgebung von Bäumen
und Blumen, von Bergen, Tälern und Flüssen hat bei dem 76-jährigen,
zurückgezogen in Südfrankreich lebenden Dichter Philippe Jaccottet
nichts von einer Haltung des Trotzes gegen das Vergängliche, schon gar
nichts von Verdrängung des allgegenwärtigen Todes an sich. [mehr...]